Von oben herab – Fehler gegen RECHTS!

„Ich scheiße auf alles!“, „Ich scheiße auf das Thema oder diese Personengruppe“. Sind Sätze, der wie ein Faustschlag wirken können, Sätze, die man zum Großteil aus dem politischen rechten Spektrum hört, aber in Teilen auch im eher LINKEN Spektrum, wenn es um den Umgang mit Schwurblern, Nazis usw. geht.

Während Rechte ihre eigene Realität konstruieren, sich ihre „Wahrheiten“ zurechtlegen (durch Cherrypicking, blöd Zeitung und „Alternative Schwurbelmedien) und dabei auf Fakten und Genauigkeit pfeifen, erleben wir Linken eher das Gefühl, dass Fakten an Bedeutung verlieren, Emotionen dominieren und die Welt aus den Fugen gerät. Auch wenn wir vom Populismus überrollt werden, dürfen wir nicht in dieselbe Falle tappen – wir müssen ihm mit Haltung begegnen, nicht mit denselben Mitteln.

Manchmal frage ich mich, wie viele politische Debatten eigentlich auf echten Erfahrungen beruhen – und wie viele auf längst überholten Weltbildern. Wir reden von Freiheit, von Verantwortung, von Fortschritt. Doch was bedeutet das, wenn die Begriffe selbst zu leeren Hülsen verkommen?

Ich bin kein Historiker, aber ich habe gelernt, dass Geschichte nicht nur aus Daten besteht. Sie lebt in den Erzählungen, die wir weitertragen. Und genau da beginnt das Problem: Wenn wir politische Ideologien wie alte Familienrezepte behandeln – unverändert, unreflektiert, fast schon heilig – dann verlieren wir den Blick für das, was heute zählt.

Wer sich die Parteiprogramme anschaut, erkennt schnell: Viele klingen wie aus einem anderen Jahrzehnt. Die einen schwören auf Marktlogik, als wäre sie ein Naturgesetz. Die anderen verteidigen staatliche Kontrolle, als wäre sie ein Garant für Gerechtigkeit. Doch wo bleibt der Mensch dazwischen?

Natürlich gibt es progressive humanitäre Thematiken im linken Politspektrum, selbst sogar in der rechts abgedrifteten SPD gibt es noch den ein oder anderen progressiven Politiker (auch wenn man da manchmal suchen muss, leider!). Wir tun uns aber kein Gefallen damit, wenn Linke auf die Wutköder der Rechten hereinfallen! Beispielsweise, Fußball, Feuerwehr oder Dorffeste, als Sammelhort für Nazis zu bezeichnen und damit die gleiche Verallgemeinerung wie es die Rechte mit Migranten an den Tag legen, benutzen.

Wenn wir im Feminismus über Männer als Problem reden ist das in diesem Fall richtig und wichtig, den es ist ein systemisches Problem, ein patriarchales Problem, in das wir Männer hereinwachsen! Die meisten linken Kerle, wie ich selbst, waren früher selbst zwangsläufig, eher bewusst oder unbewusst, anti-feministisch unterwegs.

Ich hatte z. B. als Teenager ein T-Shirt besessen, mit der Aufschrift „Brustvergrößerung durch Handauflegung“ an. Versteht mich hier aber bitte NICHT falsch! Dem Mann eine halbstündige Moralpredigt zu halten, ihm zu erklären, wie sexualisierend das Shirt ist, wäre genau eben dieses von oben herab, was dazu führt, dass derjenige dann herumrennt und sagt „Schaut mal! Dieser Karl hat einen riesigen Stock im Hintern!“ Es kommt eben auf das WIE und die Art und Weise an!

Das Thema Polizei ist auch immer etwas, was sehr oft verallgemeinert wird, aber hier muss man klar aufpassen! Natürlich gibt es und gab es Vorfälle mit Nazis, mit Polizeigewalt und natürlich ist es auch ein systematisches Problem! Polizistinnen und Polizisten werden nicht in ihren Beruf hineingeboren – anders als es das Patriarchat beim männlichen Geschlecht suggeriert. Damit werden all jene Menschen verkannt, die aus Idealismus und mit progressiven Werten zur Polizei gegangen sind.

So wichtig es ist für Menschenrechte einzustehen, für Demokratie zu kämpfen, so wichtig ist es auch, nicht nur sein Fachwissen, einfach nur von oben herab zu erklären…

Mir fehlt es einfach an Empathie und damit meine ich nicht, dass wir das Toleranzparadoxon umgehen sollen, rechtsextreme Ideologie gehört natürlich weiter bekämpft. Es geht darum, dass wir forschen, dass wir uns psychologisch, auch biologisch damit wissenschaftlich auseinandersetzen, wie wir progressive Dinge an Menschen in breiter Masse vermittelt bekommen.

Ich habe vor Jahren einmal einem Psychologie-Vortrag in einem Klinikum beigewohnt, bei dem es um Traumata ging. Der Sprecher erzählte: Ein Soldat wurde gefragt, wie hoch er die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass eine Bombe in der Stadt explodiert. Er sagte: ‚50 %.‘

‚Sie können sich vorstellen, dass jeden zweiten Tag eine Bombe in der Stadt explodiert?‘, erklärte der Sprecher damals. Das Ganze war eine echte Story aus einer Therapiestunde eines Soldaten, der wegen seines Kriegstraumas dort war.

Es ist natürlich nicht das gleiche, aber dennoch gibt es Parallelen! Framing, Panikmache und diese ganze populistische Hetze von den Springermedien, über TikTok bis hin zu den ganzen Pseudo News AfD-Narrativ Verbreiter, diese schüren die Wut der Rechts wählenden und macht sie blind für jegliche Tatsachen.

Menschen, die also so tief in ihrem Wahn sind, sind schwer zurückzuholen. Schon gar nicht mit Fakten und Quellen! Viel eher muss man zuhören, herausfinden, woher dieser Wahnsinn kommt.

Vielleicht schafft man es dann irgendwann, wenn man die Person reden lässt, aber auch zwischendurch Fragen stellt, wie in unserem Beispiel: „Also jeden zweiten Tag explodiert eine Bombe?”, dass der Funke der Vernunft bei den Menschen von selbst überspringt.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die sich von keiner Partei vertreten fühlen. Sie leben in prekären Verhältnissen, kämpfen mit Bürokratie, erleben Ausgrenzung – und hören gleichzeitig, dass sie „Teil des Systems“ seien. Aber welches System meint das eigentlich? Es geht darum, dass wir im ausbeuterischen Kapitalismus leben, dass wir, wie Gysi mal so schön gesagt hat, nach oben schauen und nicht auf die Seite!

Gregor Gysi findet klare Worte und weiß, wie er die Leute erreicht… Ich weiß auch das dann viele der Rechten mit seiner DDR Vergangenheit kommen. Dazu hatte ich ja bereits die letzten Tage einiges geschrieben:

Wir dürfen nicht aufgeben, nur weil es halt echt anstrengend ist, mit diesen Leuten zu reden!

Politik darf kein Elfenbeinturm sein. Sie muss sich schmutzig machen, muss zuhören, muss sich verändern. Sonst bleibt sie ein Schauspiel, dass nur noch die applaudieren, die ohnehin in der ersten Reihe sitzen.

Es geht nicht darum, Schuldige zu finden. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Für die, die keine Lobby haben. Für die, die nicht laut sind. Für die, die jeden Tag versuchen, irgendwie klarzukommen. Ich weiß auch das es da gerade für die ärmsten bei den Linken Angebote gibt, aber das alleine reicht nicht, wenn wir immer wieder Leute haben, die über das Ziel hinausschießen und dem Bild der gesamten Partei schaden! Im Nachhinein hat es der Partei „die Linken“ ja nicht geschadet, dass die Frau Zarenknecht ausgetreten ist! Diese Gedanken sollten sich übrigens alle Parteien im demokratischen Spektrum machen!

Aktuell halte ich ja die CDU für so weit nach rechts abgedriftet, dass sie ich sie nicht wirklich dazu zähle, aber es gibt innerhalb der Partei schon noch einige demokratische konservative, die sich dem Merkel Flügel zugehörig fühlen. https://www.stern.de/news/umfrage–mehrheit-auch-unter-unions-waehlern-fuer-afd-verbotsverfahren-35747644.html

Auch hier sehe ich also durchaus eine Möglichkeit, mit Austritt zu drohen, wenn sich dort viele Wähler gegen Merz, Spahn und Co. stellen würden, weil die sich die AfD immer wieder offen halten und sich vor dem Verbot drücken.

„Links ist nicht vorbei – Merz wird vorbei sein!“ Es ist kein Geheimnis, dass viele AfD-Wähler aus ärmeren Verhältnissen stammen, oft arbeitslos sind – und dennoch eine Partei wählen, die keine echte Alternative darstellt, sondern ihr Leben noch schwerer macht. Wenn alle einkommensschwachen Menschen in Deutschland wirklich verstehen würden, dass die Wahl zwischen AfD und Linke bedeutet: „Entweder wird täglich jemand abgeschoben – oder täglich ist der Kühlschrank voll“, dann würde niemand aus armen Verhältnissen die AfD wählen.

Wenn wir über soziale Gerechtigkeit sprechen, dürfen wir nicht bei Symbolpolitik stehenbleiben. Es reicht nicht, ein paar Euro mehr zu verteilen, wenn gleichzeitig Strukturen bestehen, die Menschen systematisch benachteiligen. Wer Armut bekämpfen will, muss auch Macht hinterfragen.

Ich glaube, wir brauchen eine neue Sprache für Politik. Eine, die nicht nur kluge Konzepte beschreibt, sondern echte Lebensrealitäten abbildet. Eine, die nicht spaltet, sondern verbindet. Eine, die nicht nur fragt „Was ist möglich?“, sondern auch „Was ist nötig?“.

Denn am Ende zählt nicht, welche Partei das schönste Programm schreibt. Es zählt, ob Menschen sich gesehen fühlen. Gehört. Gemeint!

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