Iran-Krieg aktuell: Wo stehen wir nach fast sechs Monaten Krieg?

Der Iran-Krieg läuft inzwischen seit fast sechs Monaten. Mal heißt es Waffenruhe, dann wird wieder bombardiert. Mal erklärt Donald Trump die Straße von Hormus für geöffnet, während Iran behauptet, sie sei weiterhin geschlossen. Zwischendurch gibt es angeblich Verhandlungen, kurz darauf erklärt Washington, dass überhaupt keine Gespräche stattfinden.

Begonnen hat dieser Krieg am 28. Februar mit massiven gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Getroffen wurden militärische und politische Ziele in zahlreichen iranischen Städten. Dabei wurde auch Irans langjähriger oberster Führer Ali Chamenei getötet. Besonders problematisch war der Zeitpunkt: Die Angriffe erfolgten nach einer dritten Runde indirekter Gespräche zwischen Washington und Teheran unter Vermittlung Omans. Weitere Gespräche waren bereits vorbereitet. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte deshalb die amerikanischen und israelischen Angriffe und warnte unmittelbar vor einer unkontrollierbaren regionalen Eskalation.

Iran schlug zurück und griff Israel sowie amerikanische Militärstandorte in mehreren Staaten der Region an. Betroffen waren unter anderem Bahrain, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien. Auch dabei wurden zivile Gebiete getroffen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte diese iranischen Angriffe am 11. März mit Resolution 2817. 13 Staaten stimmten dafür, China und Russland enthielten sich.

Man kann die amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran und die Frage nach deren völkerrechtlicher Grundlage kritisch betrachten und gleichzeitig klar sagen, dass iranische Raketenangriffe auf andere Staaten genauso wenig plötzlich akzeptabel werden. Der UN-Generalsekretär hat im Grunde genau diese beiden Dinge gleichzeitig getan: die US-israelischen Angriffe verurteilt und ebenso die iranischen Gegenschläge gegen andere Staaten.

Seitdem gab es mehrere Versuche, den Krieg irgendwie einzufrieren. Am 8. April vereinbarten die USA und Iran zunächst eine Waffenruhe. Am 15. Juni folgte ein umfangreicheres Rahmenabkommen. Darin waren weitere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm, die Straße von Hormus, Sanktionen und die amerikanische Seeblockade vorgesehen. Innerhalb von 60 Tagen sollte daraus ein endgültiges Abkommen entstehen.

Die Vereinbarungen wurden mehrfach verletzt. Im Juli eskalierten die Kämpfe erneut massiv. Nachdem Handelsschiffe in der Straße von Hormus angegriffen worden waren, griffen die USA wieder Ziele im Iran an. Zeitweise bombardierte das US-Militär elf Nächte hintereinander iranische Ziele. Iran wiederum griff amerikanische Einrichtungen in der Golfregion an.

Die 60 Tage für eine endgültige Einigung sind inzwischen abgelaufen. Einen neuen Friedensvertrag gibt es nicht. Trump erklärte am 18. August sogar ausdrücklich, dass derzeit weder Gespräche mit Iran stattfinden noch welche geplant seien. Iran drohte seinerseits damit, bei einem endgültigen Scheitern der Diplomatie zu einer vollständig offensiven Militärstrategie überzugehen.

Vor dem Krieg lief ungefähr ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Rohöl und Flüssiggas durch diese relativ kleine Meerenge zwischen Iran und Oman. Wer dort den Schiffsverkehr massiv beeinträchtigt, hat deshalb ziemlich schnell Auswirkungen auf die halbe Weltwirtschaft.

Iran hält die Meerenge seit Kriegsbeginn faktisch weitgehend blockiert. Gleichzeitig haben die USA eine Seeblockade gegen iranische Häfen errichtet und verhindern, dass Schiffe bestimmte iranische Häfen erreichen oder verlassen. Es handelt sich also mittlerweile um zwei miteinander verbundene Blockaden. Iran setzt Hormus als politischen und wirtschaftlichen Hebel ein, während Washington versucht, Teherans Handel und insbesondere seine Öleinnahmen abzuwürgen.

Donald Trump behauptet trotzdem seit Tagen, die Straße von Hormus sei offen und werde von den USA kontrolliert. Iran sagt das genaue Gegenteil und erklärt, die Meerenge bleibe geschlossen, bis seine Forderungen erfüllt seien. Trump ging sogar so weit anzukündigen, er wolle die Straße von Hormus nach einem amerikanischen Sieg zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären. Iran wies das erwartungsgemäß zurück.

Nach aktuellen Daten des Schiffsanalyseunternehmens Kpler durchquerten am Donnerstag, dem 20. August, gerade einmal sieben erfasste Frachtschiffe die Straße von Hormus. Vier fuhren hinein, drei hinaus. Kein einziger sehr großer Rohöltanker und kein großer LNG-Tanker war darunter. Vor dem Krieg passierten üblicherweise ungefähr 130 bis 140 Schiffe pro Tag die Meerenge. Einige Schiffe fahren möglicherweise mit ausgeschalteten Transpondern und tauchen deshalb nicht in diesen Daten auf. Trotzdem ist der Unterschied gewaltig.

Mit anderen Worten: Wenn Trump sagt, die Straße sei einfach wieder offen und sicher, geben die tatsächlichen Verkehrsdaten diese Darstellung nicht her. Wenn Iran wiederum von einer vollkommen geschlossenen Meerenge spricht, ist auch das wörtlich genommen falsch, denn einzelne Schiffe fahren weiterhin hindurch.

Und genau deshalb sollte man Aussagen von Kriegsparteien niemals einfach zur eigenen Schlagzeile machen!

Iran betont weiterhin, keine Atomwaffen bauen zu wollen. Gleichzeitig verfügte das Land vor den Angriffen über große Mengen Uran, das auf bis zu 60 Prozent angereichert war. Das liegt deutlich über dem Niveau, das normalerweise für zivile Nutzung benötigt wird, allerdings noch unter dem für eine Atomwaffe üblichen Anreicherungsgrad. Was mit einem großen Teil dieses Materials passiert ist, lässt sich weiterhin nicht zuverlässig überprüfen. Die Internationale Atomenergieorganisation versucht seit Monaten, wieder umfassenden Zugang zu iranischen Anlagen zu bekommen. Auch dieser Punkt verschwindet gerne hinter den aktuell spektakuläreren Schlagzeilen über Hormus. Dabei gehört er weiterhin zum Kern des Konflikts.

Washington scheint vorerst stärker auf wirtschaftlichen als auf direkten militärischen Druck zu setzen. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte am 20. August die nach seinen Worten härtesten Sanktionen der Geschichte gegen Iran an. Trump droht außerdem Staaten und Unternehmen mit wirtschaftlichen Konsequenzen, wenn sie Iran weiterhin wirtschaftlich unterstützen. Betroffen könnte damit insbesondere China sein, das für den iranischen Ölhandel enorm wichtig ist. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen mit Iran bereits ausgesetzt.

Ob diese Strategie funktioniert, ist allerdings alles andere als sicher. Iran lebt seit Jahrzehnten unter amerikanischen Sanktionen. Mehr Druck bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Kompromissbereitschaft. Er kann genauso gut die Bevölkerung weiter verarmen lassen, während sich die politische Führung noch stärker abschottet.

Und die Lage der normalen Menschen im Iran ist ohnehin schon katastrophal.

Laut dem iranischen Statistikzentrum lag die jährliche Inflationsrate im Juli bei 66 Prozent. Lebensmittel waren gegenüber dem Vorjahr sogar 128 Prozent teurer. Dazu kommen zerstörte Infrastruktur, Arbeitslosigkeit, eine schwache Währung, Sanktionen und die amerikanische Blockade. Reuters berichtet von einer wachsenden Sorge innerhalb der iranischen Führung vor neuen sozialen Protesten.

Das sollte man meiner Meinung nach nie aus dem Blick verlieren. Die iranische Bevölkerung ist nicht das iranische Regime. Genauso wenig ist jeder Amerikaner Donald Trump oder jeder Israeli Benjamin Netanjahu.

Regierungen führen Kriege. Die Rechnungen bezahlen sehr häufig Menschen, die über diese Entscheidungen überhaupt nicht bestimmen konnten.

Und mittlerweile zahlen auch Menschen weit außerhalb der Region zumindest wirtschaftlich einen Teil dieser Rechnung. Der Ölpreis ist wieder deutlich gestiegen. Brent-Rohöl lag am Morgen des 21. August bei rund 93 Dollar pro Barrel und damit mehr als sieben Prozent höher als fünf Handelstage zuvor. Der Grund ist vor allem die Unsicherheit darüber, wie viel Öl aus Saudi-Arabien, Irak, Kuwait und den Emiraten überhaupt zuverlässig aus der Region herauskommt.

Auch militärisch sollte man sich von der momentan etwas geringeren Intensität nicht täuschen lassen. Die großen direkten amerikanischen Angriffswellen aus dem Juli laufen derzeit nicht in derselben Form weiter. Frieden gibt es deswegen trotzdem nicht. Die Blockaden bestehen, Handelsschiffe werden weiterhin bedroht oder angegriffen, Iran hat eine offensivere Militärstrategie angekündigt und die USA schließen neue Gewalt ausdrücklich nicht aus. Gleichzeitig gibt es derzeit keinen funktionierenden direkten Verhandlungsprozess.

Wir befinden uns weder in einem echten Frieden noch in derselben permanenten Bombardierungsphase wie zeitweise im Juli. Es ist momentan eine Mischung aus militärischer Konfrontation, Seeblockaden, Wirtschaftskrieg, Sanktionen, gegenseitigen Drohungen und einer Diplomatie, die praktisch feststeckt.

Und dadurch bleibt die Situation extrem gefährlich. Ein Angriff auf ein Handelsschiff, ein getöteter amerikanischer Soldat oder eine falsch eingeschätzte Rakete kann reichen, damit die nächste Angriffswelle beginnt.

Wer diesen Konflikt verstehen will, sollte deshalb weder Trumps Posts noch iranische Staatsmedien zur Wahrheit erklären. Aussagen prüfen, verschiedene Quellen vergleichen und immer schauen, was sich unabhängig bestätigen lässt.

Denn vielleicht ist genau das momentan eine der wichtigsten Lektionen dieses Krieges: Es kämpfen nicht nur Raketen, Drohnen und Flugzeugträger gegeneinander. Es kämpfen auch verschiedene Versionen der Realität gegeneinander. Wir sollten zumindest versuchen, nicht einfach die Version zu übernehmen, die am lautesten erzählt wird.

Stand: 21. August 2026.

Weitere Quellen:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-08/atomabkommen-iran-usa-waffenruhe-strasse-von-hormus-donald-trump-gxe

https://www.reuters.com/world/middle-east/hormuz-ship-crossings-hover-single-digits-data-shows-2026-08-21/?utm_source=chatgpt.com

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