Noten und der Leistungsdruck! UPDATE

Remaster des ursprünglich am 16. Juni 2024 veröffentlichten Beitrags von Anke. Ihr persönlicher Text wurde nur sprachlich und technisch überarbeitet. Die fachliche Ergänzung stammt von der AE-TV-Redaktion.

Unser Leistungssystem und seine Anforderungen, denen nicht jeder gerecht werden kann …

Ich glaube, jeder weiß, wovon ich spreche. Und selbst wenn man da mithalten kann, hinterlässt es seine Spuren. Unser Wert wird an unserer Leistung gemessen. Dabei sind wir doch viel mehr. Und unsere Interessen sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Warum werden wir dann dazu angeleitet, uns miteinander zu vergleichen? Das Ziel, welches wir anstreben, ist ein und dasselbe: finanzielle Absicherung durch berufliches Schaffen und die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Passen wir mit unseren Fähigkeiten, Interessen oder unserem Charakter nicht da rein, haben unsere Bedürfnisse keinen Raum. Wir kommen zu kurz. Sicher ist Zufriedenheit ein Zustand, der nicht zwangsläufig an äußere Faktoren geknüpft werden kann, aber es gibt Grenzen. Immer benachteiligt zu sein und für alles doppelt und dreifach kämpfen zu müssen, ist nicht in Ordnung. Angesichts dessen gibt es keine Chancengleichheit in Deutschland!

Damals auf dem Berufskolleg entwickelte sich das positive Miteinander plötzlich auch ins Negative. Gute Noten lösten andere Gesprächsthemen ab, und auch wenn Freundschaften weiterhin bestanden, lag da dieser Schatten über uns allen. Der Leistungsdruck und der daraus entstehende verzweifelte Kampf um Anerkennung schufen ein Ungleichgewicht in der Gleichberechtigung. Ich hatte da schon mal gar keinen Platz! Ich fühlte mich toleriert.

Das war es dann aber auch. Es gab eine Situation, in der eine Schülerin auf dem Weg vom Bus ins Gebäude auf die Größe meines Pos hindeutete. Scheinbar bewertete jeder jeden, da die Konkurrenz wie schleichendes Gift durch alle Köpfe zog. Ich hatte da absolut keine Muße mehr dafür und konnte mit diesen Wertigkeiten nichts anfangen.

Nicht, dass ich mich über gute Noten nicht gefreut hätte, aber sie waren für mich nicht aussagekräftig genug, um einen ganzen Menschen damit zu bewerten. Ich hatte andere Interessen, tiefere Herzenswünsche und lehnte es völlig ab, an der Oberfläche zu kratzen. Also ging ich wieder den Weg der Einsamkeit und suchte Menschen, die mit meinem Bestreben in Resonanz gingen. Trotz Erkrankung!


Fachlicher Bonus der AE-TV-Redaktion

Ankes persönliche Erfahrung lässt sich mit internationalen Befunden zu schulischem Druck und sozialer Herkunft einordnen. Der 2024 veröffentlichte WHO-HBSC-Bericht wertet Daten aus der Erhebung 2021/2022 aus. Unter den 15-Jährigen berichteten 63 Prozent der Mädchen und 43 Prozent der Jungen, sich durch Schularbeit unter Druck gesetzt zu fühlen. Die Untersuchung umfasst 44 Länder und Regionen; diese Werte beziehen sich nicht allein auf Deutschland.

Für Deutschland zeigt PISA 2022 außerdem einen deutlichen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Mathematikleistung. Der Abstand zwischen dem sozioökonomisch am besten und dem am schlechtesten gestellten Viertel lag bei 111 Punkten, gegenüber 93 Punkten im OECD-Mittel. Der sozioökonomische Status erklärte statistisch 19 Prozent der Leistungsunterschiede in Mathematik, im OECD-Mittel waren es 15 Prozent. Das beweist nicht, dass jede Note oder jede Schule unfair ist. Es zeigt aber, dass Leistung, Druck und Chancen nicht losgelöst vom Umfeld betrachtet werden können.

Quellen und Original

Ankes Originalbeitrag vom 16. Juni 2024

WHO Europa: Schulischer Druck und soziale Unterstützung, Bericht 2024

OECD: PISA 2022 – Länderprofil Deutschland

Beitragsbild: Pixabay / Pexels, Symbolbild; die abgebildete Person ist nicht Anke.

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