Hat unser Universum eine Spiegelvariante?

Stringtheorie, Paralleluniversen, Antimaterie und Zeitreisen faszinieren mich schon lange. Besonders die Frage, wie unser Universum entstanden ist und warum wir Zeit nur in eine Richtung erleben, lässt mich immer wieder eigene Gedanken entwickeln. Wahrscheinlich hat mich auch die eine Folge meiner früheren Lieblingsserie „Sliders – Das Tor in eine fremde Dimension“ zu einigen dieser Thesen geführt. Ich bin kein Physiker, aber bei solchen Themen kann ich schlecht aufhören, weiterzudenken. Nennen wir aber meine Theorie dazu einfach „Spiegeluniversum-Hypothese“.

Symmetrien und Gegenstücke in der Physik brachten mich auf die Frage, ob auch die zeitliche Entwicklung unseres Universums ein Gegenstück haben könnte. Aus der Existenz von Materie und Antimaterie folgt schließlich nicht automatisch, dass auch ein ganzes Universum eine Gegenseite besitzen muss.

Meine Vorstellung besteht aus zwei kosmischen Spiegelzwillingen mit jeweils einem eigenen Urknall als Ausgangspunkt. Wenn ich das zeichne, beginnt unsere Zeitlinie links und entwickelt sich nach rechts. Der Spiegelzwilling beginnt mit seinem eigenen Urknall rechts und entwickelt sich nach links. Die Zukunftsrichtungen beider Universen zeigen in dieser Gegenüberstellung also gegeneinander.

Die möglichen Bewohner beider Universen würden ihre eigene Zeit ganz normal als vorwärts erleben. Sie hätten eine Vergangenheit, an die sie sich erinnern, und eine Zukunft, die noch vor ihnen liegt. „Rückwärts“ bedeutet in meiner Skizze, dass die Zeitrichtung des Spiegelzwillings gegenüber unserer Vergleichsachse umgekehrt orientiert ist. Ob wir seinen Ablauf tatsächlich beobachten könnten, ist damit noch nicht gesagt.

„Wenn wir am Ende sind, sind die am Anfang“ beschreibt meine Vorstellung: Unser spätes Universum steht der Frühzeit des Spiegelzwillings gegenüber, dessen späte Entwicklung unserem Anfang. Vielleicht tauschen beide anschließend ihre Rollen und bilden einen wiederkehrenden Zyklus. Damit ließe sich auch über einen insgesamt endlosen Ablauf nachdenken.

Meine Portal-Idee knüpft daran an: Ein Übergang zum gleichen kosmischen Alter wäre in der Mitte meiner Zeichnung senkrecht. Außerhalb davon müsste ich gleich alte Punkte schräg verbinden, zunehmend schräg mit wachsender Entfernung von der Mitte. Unter diesen altersgleichen Verbindungen wäre die mittlere in der Zeichnung bei festem Linienabstand die kürzeste. Eine tatsächliche Portallänge oder Reisezeit ergibt sich daraus noch nicht; dafür fehlen eine Raumzeitgeometrie und Regeln für den Übergang.

Und wäre damit alles vorbestimmt? Die Zeitzuordnung legt zunächst keine Ereignisse fest. Selbst wenn ich zusätzlich verlange, dass sich die vollständigen Geschichten exakt spiegeln, könnten viele verschiedene Geschichten diese Bedingung erfüllen. Eine einzige zwingende Entwicklung müsste sich erst aus den Bewegungsgesetzen und den Anfangs- oder Randbedingungen ergeben.

Bei der anschließenden Recherche stieß ich auf zwei Arbeiten aus der theoretischen Physik, die ebenfalls entgegengesetzte Zeitpfeile behandeln. Die Parallelen betreffen vor allem die Zeitrichtungen und die Perspektive möglicher Beobachter.

Latham Boyle, Kieran Finn und Neil Turok veröffentlichten 2018 in Physical Review Letters das Modell eines CPT-symmetrischen Universums. Darin ist die kosmische Entwicklung nach dem Urknall das CPT-Gegenstück der Entwicklung davor. Die Symmetrie bezieht sich auf die beiden Seiten desselben Urknalls; meine Skizze setzt dagegen zwei eigene Ausgangspunkte an. C steht für Ladungskonjugation, also den Austausch von Teilchen mit ihren Antiteilchen, P für räumliche Spiegelung und T für Zeitumkehr. Die Autoren beschreiben das Ganze als Universum-Antiuniversum-Paar. Auch der thermodynamische Zeitpfeil zeigt in ihrem Modell auf beiden Seiten vom Urknall weg. Die Idee dient unter anderem dazu, den Überschuss von Materie gegenüber Antimaterie neu einzuordnen und Dunkle Materie zu erklären. Aus dem Modell folgen konkrete Vorhersagen, etwa dass das leichteste Neutrino masselos sein sollte.

Julian Barbour, Tim Koslowski und Flavio Mercati untersuchten bereits 2014 in „Identification of a Gravitational Arrow of Time“ ein vereinfachtes System von Teilchen, die sich nach Newtons Gravitationsgesetz anziehen. Unter den gewählten Bedingungen besitzen typische Entwicklungen einen zentralen Bereich, von dem aus sich in beide Zeitrichtungen langfristig zunehmend komplexe Strukturen bilden. Dabei entstehen Strukturen, die Informationen über frühere Zustände bewahren können. Gedachte Beobachter innerhalb einer solchen Entwicklung würden aus den Aufzeichnungen ihrer eigenen Seite jeweils eine Vergangenheit und eine Zukunft ableiten. Die Autoren beschreiben das als eine gemeinsame Vergangenheit mit zwei verschiedenen Zukünften.

Den zentralen Wendepunkt bezeichnen sie in einer weiterführenden Arbeit von 2015 als „Janus-Punkt“. Besonders die Beobachterperspektive erinnert mich an meinen Gedanken: Beide Seiten hätten ihr eigenes Vorwärts. Das Newtonsche Modell ist allerdings ein vereinfachtes Demonstrationsmodell für die Entstehung eines Zeitpfeils. Beide Zeitpfeile gehen hier von einer gemeinsamen zentralen Region aus, während meine Skizze zwei eigene Anfänge vorsieht. Dieser Janus-Punkt lässt sich zudem nicht einfach mit unserem Urknall gleichsetzen; die beiden Entwicklungen des Modells sind auch keine zwingend identischen Spiegelbilder.

EDIT: Im Mai 2026 erschien in Physical Review D bereits eine Arbeit über paarweise erzeugte, quantenverschränkte Zwillingsuniversen mit entgegengesetzten Zeitpfeilen. Die Autoren sagen eine mögliche Spur in der kosmischen Hintergrundstrahlung (CMB) voraus. Das fand ich während der Fertigstellung dieses Beitrags. Die Grundidee ist meiner Theorie erstaunlich ähnlich. Auch diese Arbeit ist aber ein theoretisches Modell und kein Beweis für reale Zwillingsuniversen.

Morris, Thorne und Yurtsever untersuchten 1988, unter welchen Voraussetzungen ein durchquerbares Wurmloch als Zeitmaschine dienen könnte. Ob solche Wurmlöcher überhaupt geschaffen und aufrechterhalten werden können, war dabei gerade eine offene Voraussetzung. Echeverria, Klinkhammer und Thorne fanden 1991 in einem vereinfachten Zeitreise-Modell für bestimmte Anfangsbedingungen sogar mehrere widerspruchsfreie Abläufe. Selbstkonsistenz bedeutet deshalb nicht automatisch, dass nur eine Geschichte möglich ist. Meine zwei Universen oder ihre Portalverbindungen werden durch diese Arbeiten nicht bestätigt.

In meinem Modell sind theoretische Reisen ins Spiegeluniversum fast immer auch eine Zeitreise.

Meine Spiegeluniversum-Hypothese ist deshalb zunächst nur eine Grundidee. Ich möchte noch prüfen, ob und wie sie sich weiter ausarbeiten lässt.

Am Ende sind es aber alles nur Theorien, aber oft schon wurden daraus irgendwann handfeste Grundbausteine der Wissenschaft. Gerade die Physik ist durchzogen mit Symmetrien z. B. Materie und Antimaterie. Es gibt zudem das dritte Newtonsche Gesetz, das besagt, dass jede Kraft eine gleich große, aber entgegengesetzte Gegenkraft erzeugt.


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