Er weiß nicht genau, wo er ist, kann es nicht lokalisieren. Wobei, das beschränkt sich mitnichten auf seine momentane Situation. Noch nie war klar, wer er genau ist und umso weniger, wo er steht. Empfindungen? Gefühle? Menschlichkeit? Glaube? Sein? Was ist das? Zulassen bringt Scham und Verweichlichung. Er hat nie fühlen, also Leben gelernt, kennt nur Kälte, Verbitterung, Schmerz, Neid und Hass. Ewiges Warten. Ewiges Warten ohne Hoffnung und ohne Ziel. Eine Seelennarbe nach der anderen.
Und nun? Jetzt ist er hier. Gestrandet. Er sieht nur Sand. Spürt die Hitze. Er versucht, einen Vorteil in der gegenwärtigen Lage zu erkennen. Vielleicht kann er nun zu sich finden, so fernab von jedem Störfaktor. Ach was! Die Blockade kommt wieder. Ein Schutz vor sich selbst. Ein Schutz vor Tränen. Salz ist ungesund! Wer weiß das denn nicht? Seit 4 Wochen streift er umher, ohne irgendwas geschaffen zu haben. Das Wasser wird knapp, Die Nahrung auch. Auch die Energie nimmt sukzessive ab.
Er setzt sich hin. Er hört Menschen reden. Männer, die sich sehr angeregt unterhalten. Angst macht sich breit. Der Reflex zum Abhauen nistet sich in gewohnter Manier ein. Aber er wehrt sich dagegen und bleibt umso abgekämpfter sitzen. Jetzt ist der Augenblick da! Die Männer und ihre Kamele ziehen direkt vorüber. Alle nicken zum Gruß. Sogar die Tiere blicken in seine Richtung. Er begrüßt auch. Befürchtung umsonst.
Es rauscht. Da drüben ist sowas ähnliches wie ein Tornado erkennbar. Luft und Sand werden spiralen förmig hochgewirbelt. Er beobachtet. Er denkt nach. Ein Sinnbild. Man wird weitergetragen. Zwar nicht immer sanft und ohne Risiko. Aber es geht weiter. Doch noch eine Erkenntnis.





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