Ich hasse Zeitarbeit! Nicht die Menschen, die dort arbeiten, aber das System, welches die Hoffnung auf eine feste Stelle zum Geschäftsmodell gemacht hat. Unternehmen brauchen Personal, Arbeitnehmer brauchen sichere Arbeit und dazwischen sitzt ein weiterer Arbeitgeber, der dauerhaft an der Arbeitsleistung anderer verdient (Man könnte auch böswillig Job-Zuhälter sagen). Verkauft wird das gerne als flexible Brücke in eine Festanstellung, obwohl es sich fast immer für die meisten eher wie Ausbeutung, ein Umweg anfühlen muss.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2025 rund 669.000 Menschen in Deutschland als Leiharbeitnehmer beschäftigt. Das waren acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders viele arbeiten in Helfertätigkeiten. Schwächelt die Wirtschaft, werden Leiharbeitskräfte zudem häufig als Erste abgebaut.
Der häufig beworbene „Klebeeffekt“, also die direkte Übernahme durch den Einsatzbetrieb, fällt in Untersuchungen deutlich kleiner aus, als die Werbung vieler Personaldienstleister vermuten lässt. Ältere Analysen kamen je nach Zeitraum und Abgrenzung lediglich auf ungefähr sieben bis 14 Prozent. Eine mögliche Übernahme klingt gut, ist aber weder ein Vertrag noch eine Garantie.
Sehr oft findet man den gleichen oder ein sehr ähnlichen Arbeitsplatz über mehrere Zeitarbeitsfirmen und Jobbörsen. Was wie mehrere offene Stellen aussieht, kann am Ende derselbe Personalbedarf sein. Ich kenne auch Chefs die mir erzählten, dass sie sicherheitshalber für ihre Helfertätigkeiten bei mehreren Agenturen „Helfer“ bestellen, weil bei 10 bestellten Leuten nur ein Drittel auftaucht. Spricht aber nicht gegen diese armen Menschen, sondern eher gegen die Systematik der Zeitarbeitsfirmen und das dort die wenigsten motiviert sind für sie zu arbeiten.
Fehlende Transparenz ist generell ein Problem: Intensive und frustrierenden Zeitinvestitionen und dabei oft ausbleibende Rückmeldungen, unklare Angebote und enttäuschte Übernahmehoffnungen.
Das Risiko tragen die Menschen, die nicht wissen, wie lange ihr Einsatz läuft. Wer dauerhaft Personal benötigt, der sollte direkt und dauerhaft einstellen! Für einen wirklich begrenzten Bedarf kann ein Betrieb offen einen befristeten Vertrag anbieten. Dafür braucht es nicht zwangsläufig ein Unternehmen, das an jeder geleisteten Arbeitsstunde mitverdient.
Eine Literaturauswertung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschreibt einen Zusammenhang zwischen Zeit- beziehungsweise Leiharbeit und depressiven Beschwerden. Wechselnde Einsätze, geringe Kontrolle und fehlende Planungssicherheit sind aber reale Belastungen. Hinter der angeblichen Flexibilität stehen Menschen mit Miete, Familie und einem Leben, das planbar sein muss.
Nach § 11 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz darf der Vergütungsanspruch bei Annahmeverzug des Verleihers grundsätzlich nicht vertraglich aufgehoben oder beschränkt werden. Wer den Eindruck hat, dass Entgelt, Arbeitszeitkonten oder Urlaub rechtswidrig verrechnet werden, sollte Arbeits- und Tarifvertrag von einer Gewerkschaft oder arbeitsrechtlichen Beratungsstelle prüfen lassen. Urlaub ist nämlich nur zur Erholung gedacht. Trotzdem versuchen nicht nur Zeitarbeitsfirmen bei Arbeitsausfällen immer wieder, ihre Arbeitnehmer dazu zu drängen, Urlaub zu nehmen. Dabei trägt grundsätzlich die Zeitarbeitsfirma das Risiko eines fehlenden Einsatzes und schuldet weiterhin die vereinbarte Vergütung. Ergänzende Leistungen vom Amt kommen nur infrage, wenn das tatsächliche Einkommen trotzdem nicht reicht. Urlaub ist nicht dafür da, Auftragslücken des Arbeitgebers zu stopfen.
Glücklicherweise nimmt zwar Zeitarbeit ab, allerdings bin ich der Meinung wir können mit KI dieser „nervigen“ Branche endgültig den Todesstoß versetzen. Normalerweise bin ich ja pro Arbeitnehmer, genau deshalb sehe ich das hier so! Man könnte KI-Tools bauen, die Zeitarbeitsfirmen dort überflüssig machen, wo sie eigentlich nur als teurer und oft undurchsichtiger Zwischenhändler auftreten.
KI darf dabei selbstverständlich nicht zum nächsten undurchsichtigen Zwischenhändler werden. Systeme zur Auswahl und Bewertung von Beschäftigten gelten im europäischen AI Act aus gutem Grund als besonders sensibel. Kriterien müssten nachvollziehbar sein, Entscheidungen durch Menschen kontrolliert und falsche Bewertungen anfechtbar bleiben. Das Ziel wäre keine automatische Aussortiermaschine, sondern eine transparente Direktvermittlung. Bis jetzt ist es auch nur ein Konzept, nicht wie andere Bots die ich bereits erfolgreich programmiert habe wie zb. meinen „Rezo-Bot“.
Zeitarbeit löst einen echten kurzfristigen Personalbedarf, hat daraus aber ein dauerhaftes Geschäft mit der Unsicherheit anderer Menschen gemacht. Wenn moderne Recherche und verantwortungsvoll eingesetzte KI Unternehmen und Beschäftigte ohne diesen mitverdienenden Umweg direkt zusammenbringen können, sehe ich keinen Grund, das alte Modell künstlich am Leben zu erhalten.
Genau daran möchte ich arbeiten: In Zukunft vielleicht sowohl auf politischem Weg, sowie auch mit KI-Technik.
Werbung: Unser Werbepartner ist Roberts Teehaus. Über den folgenden Partnerlink könnt ihr AE-TV bei einem Einkauf unterstützen. Wir erhalten eine Provision, für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten.
Roberts Teehaus entdecken und AE-TV unterstützen
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesagentur für Arbeit: Entwicklungen in der Zeitarbeit
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Forschung zur Zeitarbeit
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt
- § 11 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn
- Europäische Kommission: Regelungen des AI Act zu Hochrisiko-Systemen
Recherche- und Zahlenstand: 10. September 2026.





Kommentar verfassen