Grübel, grübel, grübel …

Remaster des ursprünglich am 9. April 2023 veröffentlichten Beitrags von Anke. Ihr persönlicher Text wurde nur sprachlich und technisch überarbeitet. Zeitangaben beziehen sich auf die damalige Veröffentlichung; der fachliche Bonus stammt von der AE-TV-Redaktion.

Dieses Gedankenkarussell macht mich oft wahnsinnig. Wohin soll das noch führen? Ich denke viel zu viel. Es fühlt sich schlecht an, und im Endeffekt löse ich dadurch keine Probleme. Es führt zu nichts. Habt ihr etwas gefunden, das euch im Alltag hilft, um auch mal abzuschalten? Viele schwören auf Meditation. Leider ist mein Alltag ziemlich oft zugepackt, auch wenn ich so gut wie immer zu Hause bin. Seit gut anderthalb Jahren werkle ich durchgehend an dem Haus meiner verstorbenen Großeltern.

Da ich viel improvisiere, wenig finanzielle Mittel zur Verfügung habe und immer wieder Krankheitseinbrüche durchmache, dauerte es ewig lange. Und es gibt immer etwas zu tun. Wenn ich dann zwischendrin noch mit den beiden Rabauken rausgehe, bleibt mir eigentlich nur abends etwas Zeit, die dann für die sozialen Medien draufgeht. So sind die Hunderunden meine Momente, in denen ich meine Gedanken einfach mal ziehen lassen möchte, und so kennt man mich hier im Dorf wohl nur mit Kopfhörern auf den Ohren. Und damit tauche ich dann in mein Herz hinab. Musik ist Balsam für die Seele.

Sie ermöglicht es mir, eine Identität zu finden, weil niemand mir meine eigene Welt nehmen kann. Da kann mich keiner stören oder diesen Seelenschatz kaputt machen. Das ist wichtig für mich, da man mir schon so oft das genommen hat, was mir allein gehört: meine Gefühle und Bedürfnisse.

Wenn ihr etwas habt, das nur euch gehört, dann lasst es euch nicht nehmen. Niemand hat das Recht dazu.

Wenn ihr also anfangt zu grübeln, weil ihr damit verzweifelt versucht, die Kontrolle zurückzugewinnen, denkt an das, was nur euch gehört. Egal, was das auch ist! Da seid ihr sicher. Es ist in eurem Kopf. Eure Geschichte, eure Gedanken, euer Sinn des Lebens. Euer Antrieb.

Nicht grübeln, sondern fühlen.


Fachlicher Bonus der AE-TV-Redaktion

Ankes persönlicher Text ist kein therapeutischer Ratgeber. Wer selbst häufig in Gedankenschleifen festhängt, kann Gedanken zunächst notieren und ihnen bewusst eine kurze Sorgenzeit von etwa zehn bis fünfzehn Minuten geben. Hilfreich kann außerdem die Frage sein, ob es gerade ein konkret lösbares Problem oder eine hypothetische Sorge ist. Der britische NHS erklärt diese aus der kognitiven Verhaltenstherapie stammenden Schritte verständlich.

Eine transdiagnostische Metaanalyse aus dem Jahr 2025 mit 55 Studien und 4.970 Teilnehmenden fand für kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze im Vergleich zu Kontrollgruppen eine moderate Wirkung auf wiederkehrendes negatives Denken, Grübeln und Sorgen. Die Studien unterschieden sich allerdings deutlich, und ihre Qualität war gemischt. Daraus lässt sich weder ein Heilversprechen für Einzelne ableiten noch die Wirkung eines einzelnen Alltagstipps belegen.

Wenn Grübeln den Alltag deutlich einschränkt oder mit anhaltender Niedergeschlagenheit beziehungsweise starker Angst verbunden ist, kann eine psychotherapeutische Sprechstunde sinnvoll sein. Die Bundespsychotherapeutenkammer erklärt den Zugang und bietet eine Suche über die zuständigen Landeskammern.

Quellen und Original

Ankes Originalbeitrag vom 9. April 2023

NHS: Tackling your worries

Psychological Medicine: Metaanalyse zu KVT, Grübeln und Sorgen (2025)

Bundespsychotherapeutenkammer: Informationen und Psychotherapeutensuche

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